Herr Paulsen lies mir am letzten Sonntag das Wasser im Munde zusammen laufen mit seinem Post über die dreistufige Glückseligkeit. Genau das wollte ich auch ... jetzt sofort. Und so half mir das - worüber ich sonst immer schimpfe - aus der Patsche: der verkaufsoffene Adventssonntag. Ich machte mich also mit gefühlten 100.000 Menschen auf den Weg in die nächste Einkaufsgelegenheit. Drückte mich an sichtlich überalterten Chören und Bastelstraßen für Adventsschmuck vorbei und ging schnurstracks in die Lebensmittelabteilung und dort an die Fleischtheke. Offensichtlich wurde für den Sonntag nicht extra geordert, was ich auch wirklich verstehen kann. Eine sichtlich schlecht gelaunte Verkäuferin (was ich auch verstehen kann), deren Gedanken ich lesen konnte (sie waren nicht nett), schob sich auf mich zu."Ja, bittä?"
"Guten Tag, ich möchte gerne etwas Rindfleisch. Am liebsten ein großes Stück Querrippe."
"Haben wir nicht. Sie sehen doch, was da liegt." (demonstratives Stöhnen)
"Ist das da Tafelspitz?"
"Ja"
"Danke, den nehm ich"
"Bittä"
"Auf Wiedersehen"
"Grummel" --> (wahrscheinlich eine Verwünschung, die ich nicht hören konnte)
Naja, wenigstens hatte ich jetzt was für meine Glückseligkeit, sollen die andern doch ihr Glück Gott weiß wo finden. Sogar frischen Meerettich, Suppengrün, Petersilienwurzel und Süßkartoffeln gab es und ich lief beschwingt nach Hause. Ich schnitt das große Suppengrün gleich klein und setzte es mit viel Wasser, Pfefferkörnern, Lorbeer, Senfsaat und dem Tafelspitz drei Stunden lang auf den Herd, wo alles leise vor sich hin köchelte. Mmh, der Duft der dunklen Fleischbrühe war eigentlich schon die erste Stufe meiner Glückseligkeit.
Am Sonntag abend gab es den Tafelspitz mit Meerettichsauce und Wintergemüse aus Petersilienwurzeln, Möhren, Kartoffeln und Süßkartoffeln. Wie Herr Paulsen garte ich das Gemüse nur in etwas Brühe. Das Fleisch war butterzart und aromatisch, einfach herrlich. (Bild fehlt leider wegen Kameraausfall)
Am Montag folgten der zweite und dritte Teil. Als Vorspeise gab es die Brühe mit dem restlichen Tafelspitz beträufelt mit gutem Olivenöl. Als Hauptgericht die Reste des Wintergemüses, das ich mit etwas Brühe und Sahne pürierte, dazu ein schlichtes Spiegelei.
Ich erreichte wirklich Glückseligkeit und überlege jetzt nur noch, wie ich das ausdehnen kann. Das erinnert mich wieder an Roberts Jahr des Rindes, das war auch soo schön und gibt mir Ideen für eine Verlängerung der Glückseligkeit, beim nächsten Mal.






