Sonntag, 18. Oktober 2009

Wein und Schokolade

Mein Schokoladenkonsum beschränkt sich auf 1-2 Tafeln pro Jahr und die letzte Schokoladentorte habe ich ungefähr zu meiner Firmung verspeist. Das ist lange, lange her und das ist auch keine gute Voraussetzung für eine Wein- und Schokoladenprobe. Aber da man eben zu manchen Sachen kommt wie die Jungfrau zum Kinde, sitze ich inmitten von 30 Süßschnäbel, einer Wein-Fachfrau und einem Chocolatier. Der Blick auf das vorbereitete Blatt für die Degustationsnotizen vor mir stellt mich darauf ein, was mich erwartet: ein Cremant, ein Weißwein, ein Rotwein, zwei Portweine, ein Vin santo und massenhaft Schokolade.

Der Cremant kommt, auch das noch .... Cremant finde ich meist sehr hefig und so war auch der Cremant de Loire von Bouvet... dazu noch leichter Apfelgeschmack, recht fruchtig... mein Sekt ist das nicht. Umso mehr war ich dann doch auf die dazu gereichte Praline gespannt: eine weiße Praline mit Himbeerfüllung. Die Himbeerfüllung bestand aus dunkler Schokolade und Himbeerfruchtmark. Sehr lecker... wirklich. Die weiße Schokolade passte sehr gut zu dem Cremant, das hefige konnte ich so gar nicht mehr schmecken, die dunkle Schokolade war uns etwas zu herb dazu.

Jetzt der Weißwein: Chateau Capitoul, Lavandine, 2007, aus dem Languedoc. Capitoul ist ein altes Weingut, auf dem schon seit 1324 Weinbau betrieben wird. Das Cuvée wird aus Marsanne, Roussane und Viognier erzeugt. Der erste Eindruck: ein intensiver Geruch nach der süßen Litschi-Bowle meiner Oma. Im Mund schon trocken aber sehr breite exotische Früchte. Also auch nicht mein Wein ... Dazu eine weiße Praline, gefüllt mit dunkler Schokolade, Nougat und Orangengelee. Die Praline ist wieder superlecker und ich frage mich langsam, ob ich nicht doch noch zum Schokoholic werde? Der Wein schmeckt nicht gut dazu ... alles ist viel zu süß und klebrig.

Der Rotwein: Deetlefs, Pinotage, 2007, Südafrika. Etwas Holz, kratzige Tannine, leichter Schinkengeruch, etwas Kirsche und ein paar bittere Noten. Naja, der ist schon in Ordnung. Ein wenig zu jung, nichts berauschendes, aber ganz okay. Dazu gibt es eine zartbittere Praline mit Kirschmark und Nougat. Ich muss mich beherrschen nicht alles auf einmal zu essen... das ist eine tolle Praline. Und der Wein wird weicher, es harmoniert perfekt. Es kann also funktionieren!

Jetzt kommen die beiden Portweine von Vista Alegre. Der erste ein Fine Ruby: 3 Jahre im Holz gereift, tiefrote Farbe, leichte Tannine und fruchtig im Geschmack. Er gefällt mir und passt perfekt zu meinem riesigen Stück Sachertorte. Ich esse das ganze Stück: Saftig, überzogen mit einer Marzipandecke und bester Zartbitter-Kouvertüre, innen gefüllt mit Aprikosenmarmelade und etwas Nougat. So langsam wird mir übel beim Gedanken an Schokolade... Mir fällt auf, dass meine Nachbarn dezent in ihren Taschen rascheln und die Schokoladen und Tortenstücke, die sie nicht schaffen, in mitgebrachte Tupperdosen oder Plastiktütchen versenken. Diese Memmen! Ich nehme lieber noch ein Gläschen Port.. dann rutscht es auch.

Der nächste Port naht, ein Fine Tawny: 4 Jahre Holz gelagert, etwas heller als der Ruby, fruchtig, etwas Sherry, Nüsse und Kräuter. Er gefällt mir gut und man reicht mir dazu eine Kreation namems Arabischer Diamant: Zartbitterchokolade mit Pistazienmarzipan, Pasoalikör und Honig. Der Widerwille ist groß... aber es nutzt ja nichts, da muss ich jetzt durch. Ich hatte mir die Praline aufregender vorgestellt, aber vielleicht schmecke ich auch einfach nichts mehr.

So bald habe ich es geschafft, wegen mir könnte jetzt schon Schluss sein. Aber der Vin Santo muss jetzt auch noch sein. Pietrafitta, 2001, Toskana. Intensiver Klebstoffgeruch strömt mir entgegen...im Mund Nuss, Rosinen, etwas Säure. Naja ich will nicht ungerecht sein... wahrscheinlich lag es auch an meinen schon stark mitgenommen Geschmacksnerven. Dazu nur ein klitzkleines Stückchen Cantucci und zwei Stückchen zartbittere Schokolade. Um mich herum wieder Geraschel von den Tütchen ... ich esse alles ... leichte Schweißausbrüche und ich kann jetzt plötzlich nur noch an Bier denken.

Die Probe ist vorbei und wir gehen einfach nach nebenan in die Kneipe, bestellen ein großes Bier und spülen die ganzen klebrigen Geschmäcker hinunter. Er war interessant mein Ausflug in die Welt der Schokolade und vielleicht gebe ich ja dem arabischen Diamanten nochmal eine Chance. Auf dieser Seite finden alle, die das mal privat ausprobieren möchten ein paar Tipps.

Kommentare:

lamiacucina hat gesagt…

Danke für die heiteren Momente, die Du mir eben beschert hast. Dass Schokolade durchaus zu gewissen Weinen passen kann, mag ja richtig sein. Ich ziehe nach wie vor strikte Trennung vor. Mein Jahresverbrauch: 5 kg.

Eline hat gesagt…

Ein köstlicher Bericht, aber ich hätte nicht gerne mit dir getauscht ;-) . Du hast aber meine höchste Bewunderung für kampfgeist und Durchhaltevermögen.
Das ist ja das Problem bei derartigen Verkostungen - too much!
Ich esse nur in der kalten Jahreszeit gerne mal 2 Stückchen feinste Bitterschokolade. Gerade gestern haben wir unseren Einkauf aus einem neuen Schoko-Laden verkostet. Dazu hatte ich gerade einen Sociando Mallet 2005 im Glas. Passte! Aber so viel Süses + süsse Weine,da wird mir schon beim Gedanken daran schlecht. Und ein Bier kann da lebensrettend sein.

Isi hat gesagt…

@lamiacucina
Also mit einem guten Portwein kann ich es mir weiter vorstellen. Ganz schönen Jahresverbrauch hast Du da :-)

@Eline
Ja, Kampfgeist trifft es gut ;-) Das Problem war das Stück Sachertorte, das wirklich zu lecker war, aber ungefähr 200g wog. Das hätte ich einfach nicht ganz essen sollen. Aber naja.. Sociando Mallet, ein toller Wein... ich beneide dich, ich muss glaube ich auch mal wieder bei "gute Weine" bestellen.

Arthurs Tochter hat gesagt…

Schöne Geschichte Isi, ich fühle richtig mit Dir! Alle Deine verköstigten Tropfen hätten mir sicher geschmeckt, vor allem den Bouvet mag ich sehr gerne. Aber immer nur das süße Zeugs dazu? Das wäre mir auch zuviel geworden. Damit meine ich vor allem das Süße im Süßen! Ich mag die Kombi von Schokolade und Wein gerne, aber entweder pur, ein fetter Shiraz und eine 80 % aus Tobago dazu, oder ein Port mit Chilischokolade, oder ein Amarone mit Wasibi-Bitter... Aber die süßen Bomben, mit ihrem nochmals süßeren Kern, die sind nicht so mein Fall und ich hätte dann wohl auch dezent in Taschentücher gewickelt.
Respekt!

Isi hat gesagt…

@AT
Du sagst es... es war einfach zu süß. Vielleicht war es zu wenig Erfahrung auf Seiten der Veranstalter .. ich weiß es nicht. Etwas Ambivalenz hätte dem ganzen sicherlich gut getan. Ich werde privat etwas weiter forschen :-)Amarone mit Wasabi Bitter... hört sich gut für mich an.

Cherry Blossom hat gesagt…

Liebe Isi - ein köstlicher Beitrag - ich musste so mitfühlen und schmunzeln... tapfer kann ich da nur sagen... Es ist ein leidiger Trend mit aller Gewalt da eine Verbindung herzustellen.. Ich bevorzuge es auch lieber getrennt ... Hut ab vor Deinem Druchhaltevermögen... ich hoffe Du hast Dich erholt

Isi hat gesagt…

@Cherry Blossom
Am Samstag fühlte ich mich noch etwas schwach, aber jetzt geht es wieder :-)

Ellja hat gesagt…

selbst ich als totale Naschkatze hätte danach Lust auf ein Bier und Salzstangen gehabt *gg*... sehr amüsanter Bericht!