Montag, 4. Januar 2010

Gebackene Kibbeh mit Tarator


Kibbeh ist das arabische Wort für Kugel und die Bezeichnung für ein im Nahen Osten weit verbreitetes Gericht. Es ist sozusagen das libanesische Nationalgericht. Kibbeh hat normalerweise die Form von Klößen, die aus einem feinen Hackfleisch-Getreidebrei (meiner ist eigentlich etwas zu grob, was mich darauf bringt, dass ich jetzt endlich einen Fleischwolf möchte :-) ) geformt werden, um dann mit Hackfleisch, Zwiebeln und Nüssen gefüllt zu werden. Hier ist die Zubereitung (gebacken auf einem Backblech) ein wenig abgewandelt, aber umso besser umsetzbar und auch sehr, sehr lecker.

Dazu serviere ich gerne Tarator, einen typisch libanesischen Dip, in den ich mich einfach hineinlegen könnte. Er besteht fast nur aus bösen, fetten Sachen und schmeckt unheimlich lecker. Eigentlich wird er im Libanon gerne zu Fischgerichten und Salaten gereicht, aber hierzu passt er auch sehr gut.

Da Kibbeh und Tarator wichtige Bestandteile der libanesischen Vorspeisen sind, freue ich mich, damit am 3ten Mediterranen Kochevent – Libanon von Tobias teil zu nehmen.

3ter mediterraner Kochevent - LIBANON - tobias kocht! - 10.12.2009-10.01.2010

Dieser Event kam mir sehr gelegen, da ich die libanesische Küche klasse finde. Außerdem stand unsere kleine Silvester-Party im Freundeskreis unter dem Motto "Orient". Was lag da näher, als viele kleine libanesische Köstlichkeiten zu kochen? Ich kann Euch sagen, unser Tisch bog sich fast. Jeder bereitete 2-3 "Kleinigkeiten" und keiner von uns konnte mehr "papp" sagen, als es Mitternacht schlug. Die libanesische hat viel mit der türkischen, aber auch der syrischen und der jordanischen Küche gemein. Das liegt an den jungen Landesgrenzen dieser Länder, die früher einmal zum Osmanischen Reich gehörten. Bis ins 20. Jahrhundert war der Libanon ein Teil der historischen Provinz Syrien und so existieren starke gegenseitige Einflüsse. Berühmt ist die Gastfreundschaft und Warmherzigkeit der Libanesen und das große, opulente Angebot an libanesischen Mezze ist ein Ausdruck davon.

Zutaten (für 12 Stück):
Quelle: Meze von Rena Salaman
Füllung:
3 EL Olivenöl
2 große fein gehackte Zwiebeln
600g Hackfleisch (Lamm oder Rind)
1 TL gemahlener Piment
1 TL gemahlener Zimt
2 EL Granatapfelsirup oder Zitronensaft
150ml heißes Wasser
3-4 EL geröstete Pinienkerne
4 EL frisch gehackte Petersilie
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer

Kibbeh:
220g feiner Bulgur
1 große Zwiebel
500g feines Hack (Lamm oder Rind)
1 TL gemahlener Piment
1 TL gemahlener Zimt
100g Butter
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer

Für die Füllung das Öl in einem Topf erhitzen und die Zwiebel darin goldbraun anbraten. Das Fleisch hinzugeben und 10-12 Minuten anbraten, bis alle Flüssigkeit verdampft ist. Piment und Zimt dazugeben und 2 Minuten mitbraten. Salz, Pfeffer, Sirup und Wasser zufügen und alles zugedeckt 30 Min. garen lassen. Den Topf vom Herd nehmen und die Pinienkerne und die gehackte Petersilie untermischen.

Für die Kibbeh den Bulgur 10 Minuten in einer Schüssel mit kaltem Wasser einweichen. Anschließend abtropfen lassen. Die Zwiebel im Mixer fein hacken und mit dem Hackfleisch, Piment, Zimt, Salz und Pfeffer zu einem glatten Teig vermischen. Anschließend in einer Schüssel mit dem Bulgur vermischen. Am idealsten entsteht ein sehr homogener, feiner Teig. Alle, die einen Fleischwolf besitzen, sollten das Hackfleisch mit dem Bulgur noch 1-2 Mal wolfen oder so lange mixen, bis eine geschmeidige, feine Masse entstanden ist. Ihr seht auch, dass ich keinen Fleischwolf habe, da meine Kibbehmischung eigentlich viel zu grob ist :-) Die Kibbehmischung in zwei Portionen teilen.


Eine Backform (ca. 30 x 25 x 5 cm) gut mit Butter einfetten. Eine Handvoll Kibbehmischung zwischen den Handflächen platt drücken, um damit den Boden des Backblechs auszulegen. Das Backblech sollte etwa 1 cm dick mit der Kibbehmischung ausgelegt sein. Die Füllung darauf verteilen und mit der zweiten Portion Kibbehmischung bedecken. Dabei genauso vorgehen wie mit der unteren Schicht und einzelne platt gedrückte Stücke wie zu einer Patchworkdecke zusammensetzen. Butterflocken darauf verteilen und im auf 180°C vorgeheizten Ofen 20-30 Min. backen. Nicht zu lange backen, da es sonst sehr schnell trocken wird.

Tarator (libanesische Sesampaste)
5 EL Sesam-Paste
1 TL gemahlener Kreuzkümmel
100 ml warmes Wasser
2 zerdrückte Knoblauchzehen
frisch gepresster Saft von 1 Zitrone
Meersalz
3 EL fein gehackte, glatte Petersilie

Die Sesam-Paste in einen Mixer geben und Kreuzkümmel, Wasser, Knoblauch, Salz und die Hälfte des Zitronensafts zufügen. Pürieren bis die Konsistenz dicker Sahne erreicht ist. Mit Meersalz abschmecken und gegebenenfalls noch Zitrone zufügen. In eine Schüssel umfüllen, die Petersilie unterrühren und zu der Kibbeh servieren.

Kommentare:

Susa hat gesagt…

Kibbeh hielt ich immer für eine Süßspeise, sieht es nicht ein wenig aus wie Baklava? Hast Du das Rezept aus dem Meze-Kochbuch?

Isi hat gesagt…

Kibbeh kenne ich gar nicht süß. Was aber nicht heißt, dass es nicht eine süße Variante irgendwo geben könnte :-) So, wie ich es mache (nach dem Meze-Kochbuch), schaut es aus wie Baklava, aber normalerweise sind es ja Klößchen, dann hat es damit gar nichts gemein. Ich habe noch eine leckere Variante mit Zwiebeln und Pinienkernen, die werde ich auch demnächst mal bloggen.

tobias kocht! hat gesagt…

Freut mich, daß dir der Event gelegen kam. Interessantes Rezept! Schön, daß du teilnimmst.

Arthurs Tochter hat gesagt…

Superlecker Isi! Mein erstes Gericht aus dem neuen Buch war vorgestern: Lammtajine mit Pflaumen und Mandeln. Ich bin ganz verliebt in diese wunderbare Küche und Gewürzewelt Arabiens!

Cherry Blossom hat gesagt…

Das habe ich noch nie gegessen - klingt verlockend... mal schauen vielleicht kann ich ja auch noch an dem Event teilnehmen...

Claus hat gesagt…

Hört sich gut an! Der orient war bisher irgendwie noch kein Thema in meiner Küche, vielleicht geh ich da mal dran...

Isi hat gesagt…

@Tobias
ist mir ein Vergnügen teil zu nehmen :-)
@AT
Du willst dir einen Tajine kaufen, oder? Darüber denke ich auch schon länger nach. Ich liebe die Küche auch ...Psst, wenn du es keinen verrätst...ich habe heute mal nach dem Buch gegoogelt. Ich glaube ich kann nicht widerstehen.
@Alissa
ach, das wäre schön, du hast noch ein paar Tage Zeit.
@Claus
deshalb ist doch das Bloggen so schön, oder? Man bekommt ständig neue Anregungen...

Christian hat gesagt…

Ich liebe Kibbeh und generell orientalische Mezze!
Zusätzliche Beigabe von Granatapfelkernen macht sich übrigens auch sehr gut zur Kibbeh-Füllung!
Meintest du mit Tarator eigentlich Tahina?

Houdini hat gesagt…

Bulgur, Gehacktes, mag ich zusammen sehr, schön hast Du die Bollen gemacht. Die Köfte, die ich mache, sind nicht gleich.

Isi hat gesagt…

@Christian
Danke für den Tipp mit den Granatapfelkernen. Das probiere ich beim nächsten Mal aus. Für mein Verständnis bedeutet Tahin "Sesampaste" und ist damit eine Zutat für Cremes auf Tahinbasis. Die libanesische Creme kenne ich unter den Namen Tarator oder Taratour.
@Houdini
So flach gebacken ist es ja auch etwas einfacher als mit Köfte

linda hat gesagt…

Das hört sich sehr lecker an. In einem meiner Kochbücher "Kulinarische Köstlichkeiten aus 1001 Nacht" ist die Auflaufvariante unter dem Namen Kubba bi-s-Sanija und die Klößchen unter Kubba Mahschija beschrieben. Der Auflauf wird dort für 15 Minuten gebacken, dann mit flüssiger Butter bestrichen, nach weiteren 20 Minuten mit Wasser besprengt und nochmals 10 Minuten gebacken.

Ein ganz ähnliches Rezept gibt es auch für Fisch, das möchte ich in den nächsten Wochen mal ausprobieren.