Mittwoch, 10. Februar 2010

Kroatischer Burger oder Pljeskavica mit Ajvar

















Also zuerst hatte ich gar keine Idee zum mitmachen und dann stieß ich auf einer meiner Lieblingsseiten - der New York Times (Dining) - auf die Geschichte mit dem Balkan Burger. Und da fiel mir alles wieder ein... die tollen Sommernächte, meine Eltern glücklich auf der Terrasse, die kroatischen Jungs :-) und die Sache mit dem "roten Ketchup". Kurzum kam ich als Jugendliche in den Genuss, drei, vielleicht auch vier Sommer in Umag zu verleben. Früher lag das mal in Jugoslawien, heute gehört es zu Kroatien. Wo wir eben wieder bei Tobias Event wären, das sich diesmal mit dem Thema Kroatien beschäftigt.

4ter mediterraner Kochevent - Kroatien - tobias kocht! - 10.01.2010-10.02.2010

Also neben Rade, einem echten Traummann *schmacht*, fand ich in diesen Urlauben vor allem die gegrillten Sachen am Strand toll. Cevapcici, Pljeskavica und Co. gab es jeden Mittag in der Strandbar und wir haben uns damit täglich die Bäuche voll geschlagen. Damals verwischten die Kulturen - selbstverständlich nur für uns Urlauberkinder - etwas. Sei das Rezept nun eigentlich serbisch oder was auch immer, zu dieser Zeit konnte man es überall im heutigen Kroatien essen.

Am liebsten aß ich Pljeskavica, einen großen kreisrunden, knoblauchschwangeren, gegrillten Fleischfladen, der dort gemeinsam mit Pommes, Zwiebeln und Ajvar serviert wurde. Ajvar liebte ich heiß - vor allem als bekennende Ketchup-Hasserin. Die dicke Berlinerin am Nebentisch brachte uns zum Kichern, da sie zum Mittagessen meistens oben herum nichts an hatte. Sowas gab es ja sonst nicht in meinem Universum im prüden Bayern... Die war es jedenfalls, die immer so laut sprach und jeden Tag sagte: "ick hätte jerne noch was von dem roten Ketchup da". Damit meinte sie den leckeren Ajvar, den ich auch heute noch ohne was dazu löffeln kann.

Also all das kam mir wieder in den Sinn, als ich in der NYT den Bericht über die "jugoslawischen" Einwanderer in den USA las. „Solange niemand über Politik spricht, können wir hier miteinander leben“. Viele der Einwanderer dachten nicht, dass sie Pljeskavica so sehr vermissen würden, vor allem da ihnen die amerikanischen Burger fremd geblieben sind, weich und mit wenig Würze. Viele kleine Restaurants haben sie mittlerweile eröffnet und können dort ihrer Lust danach fröhnen. Der Artikel der NYT gibt viele Anregungen für die Bereitung von Pljeskavica und Ajvar. Hier das Rezept wie ich es bereitete.

Zutaten (für 4 Burger):

1 kleine Zwiebel in Ringen zum Anrichten
4 geröstete kleine Pita-Brötchen ( oder Viertel von einem großem Pitafladen)

für das Pljeskavica:
600g gemischtes Hackfleisch
1 kleine Zwiebel, gewürfelt
1 Knoblauchzehen, gepresst
Salz, Pfeffer, rotes Paprikapulver

für das Ajvar:
4 rote Paprika
1 Aubergine (ohne Haut)
6 Knoblauchzehen
ca. 50-100 ml Olivenöl
Salz und Pfeffer

Für das Ajvar die Paprika und die Aubergine in Stücke schneiden und bei hoher Temperatur im Backofen rösten bis sie weich sind. Paprika häuten. Den Knoblauch ca. 10 Minuten mitrösten und dann entfernen. Die Gemüse in einen Mixer geben und gemeinsam mit Salz, Pfeffer und ca. 50ml Olivenöl mixen. Falls nötig noch etwas Olivenöl dazugeben, bis die Konsistenz einer weichen Creme entsteht.

Für das Pljeskavica das Hackfleisch mit der Zwiebel und dem Knoblauch vermischen und würzig abschmecken. Dünne, flache Fleischfladen formen und in einer Pfanne braun ausbraten.

Die kleinen Pita-Brötchen in zwei Hälften zerteilen und rösten. Mit Ajvar dick bestreichen, dann den Fleischfladen hineingeben und noch mal mit Ajvar und Zwiebeln würzen.

Kommentare:

Eline hat gesagt…

Ach Isi, das sind schöne Erinnerungen! Wir sind als Schüler gerne an die dalmatinische Küste ausgebüchst, noch bevor die Griechischen Inseln Ziel unserer temporären Aussteiger-Sehnsüchte waren. "Tschiverl, Rasnitischi und Pleskawitscha" gab es da um wenig Geld und den fast schwarzen Plavac oder Vrancec dazu....
Ich habe in den letzten Jahren immer Ende August grosse Gläser mit selbstgemachtem Ajvar von einer lieben Serbin bekommen (und einen Riesenkorb mit Tomaten und Paprika von unglaublicher Reife und Qualität) - das Mitbringsel ihres jährlichen Heimaturlaubes. Köstlich ist das zu allem Gegrillten!
Jetzt habe ich nur mehr wenig Ajvar und bin auch ein bisschen traurig, weil Ljiljana in Serbien ihre kranke Mutter pflegen muss und ich sie lange nicht mehr sehen kann.

Cherry Blossom hat gesagt…

Ach wie lecker - ich hatte eine ungarischen Tennislehrer der mit einer Frau aus Kroatien verheiratet war... das Essen - unglaublich... Ich hatte eine liebe Arbeitskollegin aus Frankfurt aus Bosnien die hat mir immer selbstgemachtes Ajvar mitgebracht... ist nicht zu vergleichen mit dem gekauften - ich kann es selbst auch nicht so toll zubereiten - da fehlen einfach die Originalzutaten mit Sonne, Meer und Gewürzen in der Luft.. aber Isi das sieht ssooooo gut aus ich muss es einfach machen... lecker
Meine angeheiratete Tante in Canada ist ursprünglich aus Kroatien.. in Canada gibt es ehemalige Jugoslawische Clubs mit Stammtisch und da werden dann typische Gerichte nachgekocht, getanzt, Dialekt gesprochen etc... in so einem Club hat mein Onkel damals geheiratet - das war ne Hochzeit - da war was los.. und getrunken haben die - unfassbar... die lustigste Hochzeit auf der ich je war...

tobias kocht! hat gesagt…

Vorallem Ajvar mag ich besinders gerne. Tolles Rezept. Schön, daß du beim Event dabei bist!

lamiacucina hat gesagt…

Auf dem Balkan kenne ich mich nicht aus, Das erklärt warum meine http://lamiacucina.wordpress.com/2009/04/09/pljeskavica-verdreht/ so anders aussehen :-)

Toni hat gesagt…

Mhmm, schöne Erinnerungen!

Ajvar mach ich im Sommer immer eine große Portion und wecke sie in kleinen Gläschen ein.
Dafür grill ich Paprika und Aubergine auf dem Holzkohlegrill, häute sie und koch dann damit Ajvar. Gibt ein tolles Raucharoma.

Houdini hat gesagt…

Dieses Ajvar muss ich auch versuchen im Sommer, scheint gut, wird hier nur gelobt. Die Burger können es mir weniger.

Suse hat gesagt…

Ich halte das wie Toni und koche im Sommer mein Ajvar selbst ein, so dass ich bis zum nächsten Sommer einen guten Vorrat habe.
Als universelles Wüzmittel kommt an Fleishcgerichte gern mal ein Esslöffelchen ran.

Susa hat gesagt…

Ah, unser Eckgrieche mogelt! Sein Dipp scheint auch Ajvar zu sein. Ich hoffe, es hat eher einen milden Rauch-, als den fiesen Paprikageschmack?

Ellja hat gesagt…

ich hab erst sehr spät, also erst vor einigen jahren mal urlaub in kroatien gemacht, da haben wir die ganze woche nur fisch und spanferkel gegessen :-)... in jedem kleinen Dorf steht ein Riesengriller mit einem Spanferkel drauf, da kommste gar nicht dran vorbei.

Isi hat gesagt…

@All
Ihr habt alle so viel geschrieben, ihr scheint alle so schöne Erinnerungen an Jugoslawien oder Kroation zu haben, was mir sehr gut gefällt. Danke Euch!

@Eline
Plavac hätte ich fast vergessen und dass ich meinen einzigen richtigen Rausch in Umag hatte :-) So viele Erinnerungen... Selbstgemachtes Ajvar aus so sonnenverwöhnten Zutaten, das ist bestimmt extragut.

@Cherry blossom
Du kennst auch so viele Kroaten, das ist toll. Ich fand sie damals auch sehr nett und unheimlich gastfreundlich. Das ist eine tolle Ecke... Warte mit dem Ajvar machen noch bis zum Sommer, da lohnt es sich noch mehr, das stimmt schon.

@Tobias
Ist mir ein Vergnügen...

@lamiacucina
Schaut ja nach "Fjuschn" aus: Filo-Pljeskavica...

@Toni
Auf dem Grill, das ist bestimmt noch besser, da hast du recht. Der Rauchgeschmack kommt bestimmt gut.

@Houdini
Mache das unbedingt. Das Warten bis zum Sommer ist richtig, dann ist das Gemüse besser.

@Susa
Also es hat keinen fiesen Geschmack, wie kommst du denn darauf, dass ich etwas fieses vorstellen könnte *grins*

@Ellja
Toll, das hätte ich auch gerne probiert. Spanferkel gab es bei mir nicht, aber Fisch ... es gab viele gegrillte Sardinen, in die könnte ich mich hineinlegen.

kitchen roach/galley roach hat gesagt…

Achja, das kurzgegrillte am Stand von KRK und immer mit Ajvar, schoene Kindheitserinnerungen und damals habe ich auch noch mit Begeisterung Scampis gegessen, frisch vom befreundeten Fischer, nur kurz in Salzwasser gekocht und wir haben diese in Ajvar gedippt.

Anonym hat gesagt…

Pljeskavica ist ein serbisches Gericht, kein kroatisches. Gebauso wenig gehört Umag zu Kroatien sondern zu Bosnien und Herzegowina.