Freitag, 10. September 2010

Vegetarischer Klassiker: Grünkernbratlinge



Ende der 80er Jahre jobbte ich während des Studiums in einem Bioladen. Das waren noch Zeiten… Bio wurde wenig wichtig genommen und viele hielten die „Ökos“, wie man damals jedenfalls bei uns sagte, für Spinner. So hatte ich auch mit einigen Vorurteilen zu kämpfen, da es viele Jobs gab, die weitaus „cooler“ waren. Manche Kunden waren schon speziell, es gab z.B. eine, die jedes Lebensmittel, das sie kaufen wollte in aller Gemütsruhe auspendelte und dann auf einen Gut-und Schlecht-Stapel sortierte. Das dauerte manchmal eine Stunde, bis sie mit ihrem "Einkauf" fertig war...
Aber mir hat es gefallen, ich ernährte mich schon gerne bewusst und hatte auch eine gewisse Neugier auf Lebensmittel, die mir zu Beginn des Jobs völlig unbekannt waren, wie Tofu oder eben auch Grünkern. Meine Chefin machte die Grünkernbratlinge am Wochenanfang selbst und verkaufte sie dann zum Mitnehmen. Ich mochte es von Anfang an und backe sie heute auch noch gerne, selbst meine Familie mag sie gemeinsam mit Kartoffelsalat oder Gurkensalat. Die Würzung (mit Sambal und Kreuzkümmel) ist ganz klar meinem heutigen Geschmack angepasst, so was hätte es damals in Franken nicht gegeben…


Zutaten:
400ml Gemüsebrühe
200g Grünkern, grob geschrotet
1 große Zwiebel, sehr fein gewürfelt
1 Knoblauchzehe, gepresst
1 EL Sambal oelek
1-2 EL Kreuzkümmel, frisch gemörsert
Salz
2 Eier

Die Gemüsebrühe zum Kochen bringen. Den geschroteten Grünkern unterrühren und bei kleiner Hitze köcheln lassen. Ab und zu umrühren und aufpassen, dass sich der Getreidebrei nicht am Boden des Topfes festsetzt. Nach 15 Minuten die Herdplatte ausstellen und das Getreide noch weiter quellen und abkühlen lassen.
Wenn der Grünkern kalt ist, die restlichen Zutaten unterrühren. Aus der Masse kleine Bratlinge formen und in der heißen Pfanne in etwas Öl anbraten. Das dauert ca. 4-5 Minuten von jeder Seite.

Kommentare:

Evi hat gesagt…

Meine Mutter hatte zu der Zeit auch eine "Wir nehmen mit Vollwertkost ab" Phase, zum Glück ohne jegliche esoterischen oder "öko" Allüren. Ich kenne diese fränkischen (bei uns etwas faden) Grünkernbratlinge aus dem Bioladen. ;) Mit Sambal und mehr Gewürz wär das ja fast nochmal nen Test wert.

nata hat gesagt…

Für diese Dinger sollte sich mal jemand einen anderen Namen ausdenken. Sie schmecken meist ganz wunderbar. Aber der Name sorgt halt für ein nachhaltig schlechtes Image.

Eline hat gesagt…

Der Name weckt in mir auch eher unangenehme Erinnerungen an den Beginn meiner Vollwertzeit vor vielen Jahren. Grünkernauflauf war auch so eine Mode damals. Ich bin dann schnell auf Hirse, Dinkel oder Hafer umgestiegen. Auch heute noch sind mir andere Getreidesorten lieber als Grünkern. Aber vielleicht gibt Sambal und Kreuzkümmel den richtigen Kick! Wie du sagst, damals würzte man maximal mit Currypulver, das war schon ober-exotisch!
Bei deiner Kundenbeschreibung habe ich sehr gelacht. Den Typ treffe ich heute noch im Bio-Laden - unverändert!

Claus hat gesagt…

Oh Gott! Lang lang ist´s her! Aber du hast recht, das könnte man glatt noch mal machen.

Houdini hat gesagt…

Wir assen zu dieser Zeit, 1978-83, vegetarisch und wurden von einigen Leuten auch als Körnlipicker und Spinner betrachtet. Gesund war es jedenfalls und wir fühlten uns sehr gut. Solche Bratlinge gehörten bei uns damals zum Standard, könnten wir gut wieder einmal machen, bei den Zutaten die ganze Phantasie ausspielen.

Isi hat gesagt…

@Evi
Die Phase kenne ich, die hatte meine Mom auch :-) Klappte aber nicht hihi

@Nata
Ja, der Name ist gruslig. man muss schon offen sein, um es zu probieren.

@Eline
Echt, solche Leute gibt es heute noch? In unserem Bioladen sind eigentlich alle recht normal :-)

@Claus
echt, sowas stand mal auf deinem Speseplan?

@Houdini
Damals wurde man wirklich als Spinner beäugt, das war bei uns genauso.