Sonntag, 21. August 2011

Wüste und Vulkane - der Westen Lesvos

Wenn man von der Inselmitte nach Westen fährt, ändert sich die Vegetation von Kilometer zu Kilometer. Die grünen Olivenhaine verschwinden und bald ist die Landschaft kahl, erodiert und bestimmt von wenigen braunen Farben.


Der Westen der Insel Lesvos ist eine Vulkanlandschaft, gezeichnet von vulkanischen Ausbrüchen, die im Tertiär das Gebiet mit einem meterhohen Ascheregen überzogen. Eine spektakuläre Landschaft mit einer Kuriosität: Der "Versteinerte Wald" besteht aus den Resten von Mammutbäumen, die vor Jahrmillionen noch weite Flächen der Insel bedeckten. Den Besuch sollte man am besten früh einplanen, da sich die Stämme in einer schattenlosen Felslandschaft befinden mit Temperaturen, die mittags enorm hoch sein können. Die vielen Farben der Stämme, die teilweise einen Umfang von 8m haben, reichen von gelb über rot, grün bis zum tiefen schwarz.



Ebenso beeindruckend ist das Naturhistorische Museum in Sigri, der nächst größeren Stadt ganz im Westen der Insel. Sehr modern dokumentiert es die geologischen Besonderheiten des ägäischen Raumen und der Erde im allgemeinen. Viele Fundstücke aus dem Versteinerten Wald kann man sich auch dort anschauen, falls es "im Wald" zu heiß sein sollte, auch versteinerte Blätter und sogar einen Wurm soll es dort geben, den hab ich aber verpasst...

Sigri
Auf halbem Weg zwischen Sigri und Scala Eressou befindet sich noch dieser markante Kegel. Es ist der erloschene Gipfel des Vulkanes Ordymnos auf dem ganz oben ein uraltes Kloster thront. 


Das kleine Museum des Klosters beherbergt viele Schätze und es öffnet sich einem ein grandioser Blick auf die Vulkanlandschaft


Hier gab es auch die süßesten Babykatzen....die ließen sich gar nicht stören:


Nach so viel Informationen muss man unbedingt mal abkühlen. Die Fahrt von Sigri nach Süden hat mir besonders gefallen, da die Landschaft von interessanten satten Brauntönen bestimmt sind. Scala Eressou mit seinen vielen Strandbars ist quirlig und hat einen traumhaften Strand mit dunklem Sand-Kiesel-Gemisch. Dort haben wir sensationell gegessen und genossen den wunderbaren Blick auf das Meer und das Essen von morgen :-)


Der letzte Teil führt dann bald  noch in den Norden der Insel Lesvos.

Dienstag, 9. August 2011

Fava und Lésvos - die Inselmitte

Auf Lésvos habe ich auch besonders gute Fava gegessen. Das sind eigentlich gelbe Erbsen aus Santorin, die gerne als Püree oder Suppe zubereitet werden. Susa importiert sie aus Griechenland, zwischen Socken und Kulturbeutel im Koffer. Sorry, da hatte ich was anderes (psst!), da war kein Platz mehr. Und deshalb musste ich das mit deutschen gelben Erbsen nachkochen. Okay....völliger Kulturbruch, sorry Ihr Griechen.


Ich habe daraus ein Püree gemacht, d.h. dass die gekochten Erbsen in der Küchenmaschine gemeinsam mit Salz, Öl und etwas Kochwasser püriert werden. Danach wird das Püree mit Zwiebeln, Zitronensaft und Öl angerichtet. Dazu braucht man dann nur noch Unmassen leckeres knuspriges Brot.... Superlecker  :-)

Aber zurück zu Lésvos, heute komme ich zur Inselmitte. Die ist ein Eldorado für Vogelliebhaber und bestimmt vom flach abfallenden Golf von Kalloní. Scala Kalloni ist ein guter Ort, um zu übernachten, da man sich von dort aus alle Regionen der Insel gut erschließen kann. Außerdem gibt es dort ein reges, nettes Nachtleben praktisch ohne Touristen; einfach nur "real life".

Eine Spezialität am Golf von Kalloni sind sardeles pastes. Das sind am Morgen dort gefangene Sardinen, die am Boot gesalzen und am Abend gehäutet serviert werden. Also eine Art levosisches Sushi. Das schmeckt total lecker. Man muss die kleinen Sardeles am Schwanz packen und dann langsam auseinanderziehen, dann löst sich die Gräte von einer Seite und man hat ein Filet in der einen Hand. Dann popelt man noch die Gräte von der anderen Seite ab und fertig. Die beste Zeit Sardeles zu essen ist im Juli und August, da sie dann die richtige Größe haben, um innerhalb eines Tages fertig zu sein und die Frische sehr wichtig ist. Viele Restaurants machen sie selbst und die besten habe ich direkt am Golf von Kalloni gegessen in einem kleinen Restaurant ungefähr beim Antiken Pyrra. Leider habe ich vergessen, ein Bild davon zu machen. Liebe M., wenn Du Sardeles isst, dann denke doch an mich, fotografiere sie und schicke mir ein Bild :-)

Sooo, was verbirgt sich wohl hinter diesen ganzen Verbotsschildern?


Alcatraz? Pentagon? Naaa?
Es ist eine meiner nettesten Erfahrungen auf der Insel: die heißen Quellen von Políchnitos. Circa 90° heiß, im Becken dann nur noch so ungefähr zwischen 42° und 44°C . Es sind die heißesten von Europa, geht also gerade so...für allerhöchstens 10 min, dann aber auch nur ohne Herzschrittmacher :-)


Also ich brachte es auf 5-6 Minuten, danach fühlte ich mich wie ein Hummer, war aber völlig tiefenentspannt. Ein tolles Erlebnis... Sehr zu empfehlen ist die hausgemachte Zitronenlimonade im Garten der heißen Quellen. Wenn es einen perfekten Tag gibt, dann endet er so, so war das jedenfalls bei mir.

Bald geht es zu den Vulkanen auf Lésvos...
Und hier ist der Link zum ersten Teil : Mytiliní
Und der Link zum zweiten Teil: Ist Ouzo eingentlich Schnaps? Der Süden....

Sonntag, 7. August 2011

Ist Ouzo eigentlich Schnaps?

In einer über längere Tage dauernden Untersuchung sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass Ouzo kein Schnaps sein kann und dass er bei mir positiven Einfluss auf die griechische Sprachkompetenz hat. Find ich gut... Vielleicht sollte ich jetzt jeden Tag ein "karaffaki ouzo" zu mir nehmen? Viel Gelegenheit hätte ich dazu, wenn ich in dem hübschen Küstenstädtchen Plomari wohnen würde, dem Zentrum der Ouzo-Produktion auf Lésvos, in dem es heute noch vier Destillerien gibt.


Zu Besuch waren wir in der Destillerie Barbayanni, einem Familienunternehmen, das bereits 1860 gegründet wurde. Dort wird guter, blitzsauberer Ouzo produziert. Anis und 10 weitere Pflanzen werden zusammen mit dem aus Trauben gewonnenen Alkohol destilliert und dann 3 Wochen in großen Kesseln gelagert, um zu gären. Erst danach wird das Ergebnis mit Wasser aus den Bergen von Plomari auf Trinkstärken zwischen 42 und 47 Prozent verdünnt und in Flaschen abgefüllt. 400.000 Liter werden so jedes Jahr hergestellt und vor allem in Griechenland abgesetzt, lediglich ein Viertel geht in den Export. Man kann den Ouzo auch probieren und im Gegensatz zum Spiegel habe ich dort keine Busladungen amerikanischer Touristen vorgefunden, die habe ich auf ganz Lésvos nicht gesehen. Und klar kann man den Ouzo am Meer im Sonnenuntergang mehr genießen als in einer griechischen Fabrik, aber das ist ja eigentlich jedem klar, oder?

Der Ouzo Barbayanni besteht aus 100% Destillat. Übrigens darf sich nach griechischem Gesetz alles Ouzo nennen, das aus lediglich 20% destilliertem Extrakt besteht. Der Rest kann mit weiterem Alkohol und Aromastoffen versetzt werden. Da wundert einen nicht der große Qualitätsunterschied, den man beim Ouzo beobachten kann.
Barbayanni bietet vier Sorten an:
Grün (prassino) mit 42% - der Milde, der mir extrem gut schmeckt.
Blau (ble) mit 46% - der Klassische
Aphrodite mit 48% - sozusagen der Nobel-Ouzo
Evzon mit 47% - der Traditionelle, der bei den Einheimischen am beliebtesten sein soll

Es ist nicht so einfach in Deutschland an ihn ran zu kommen. Mal sehen, ob es mir gelingt, wenn die Vorräte zur Neige gehen.

Im Süden Lesvos lässt sich aber noch viel mehr erleben: Schön ist das Bergdorf Agiássos, an den Hängen des Olympos, der immerhin fast 1000m hoch ist. Es ist umgeben von üppigen Wäldern und ein Wallfahrtsort, da sich in der dortigen Kirche ein altes Marienbild befindet, zu dem vor allem im August gepilgert wird.

Agiassos

Neben traditioneller Keramik kann man auch eine besonders gute Vasilopita kaufen. Eigentlich ist das ja der griechische Neujahrskuchen,  der dort aber das ganze Jahr über gebacken wird und sehr beliebt ist. In einer Bäckerei haben wir uns ein großes Stück abschneiden lassen und später am Strand gegessen. Ist aber nichts für Leute mit Abneigung gegen Zimt :-)



Schöne Strände befinden sich in in der Nähe, z.B. in Melinda und in Vaterá.
Und wenn man von Vaterá zum Kap Agios Fokas fährt, um den grandiosen Blick auf die Südküste zu genießen, dann darf man diese hier nicht verpassen...


Die nächste Tour geht bald in die Inselmitte.
Und hier ist der Link zum ersten Teil : Mytiliní

Freitag, 5. August 2011

Lésvos - einfach wunderschön!

Es gibt in Griechenland so schöne Ecken, die glücklicherweise noch nicht von Herden deutscher Touristen heimgesucht werden. Dazu gehört auch Lesvos, die drittgrößte Insel Griechenlands, von der ich völlig begeistert bin. So viele Facetten auf einer Insel habe ich nicht erwartet.

Ganz Lesvos in einer Woche? Das gelingt nur mit der besten Reiseführerin von allen: unserer Freundin M., die in Deutschland studierte, unsere Griechischlehrerin in Dtld. war, die eine waschechte Lesvosierin (äh, Ihr versteht was ich meine...) ist und seit gut zwei Jahren wieder in Mytiliní lebt. Schon lange wollten wir sie besuchen, jetzt hat es endlich geklappt und M. konnte auch noch Urlaub nehmen, was für ein Glück.


Mytiliní
Die ersten drei Tage verbrachten wir in der Hauptstadt Mytiliní, direkt in einem Hotel im Stadtzentrum. Puh, was für eine Stadt... Bleibt dort unbedingt ein paar Tage, aber sucht euch, falls Ihr im Hafen wohnen möchtet - wie wir - unbedingt ein Hotel mit Schallschutzfenstern und Klimaanlage. 

Vor allem nachts pulsiert der unaufhörliche Strom der Roller und Motorräder. Die vielen Cafés sind vollbesetzt und verbreiten pure Lebensfreude bis in die tiefe Nacht.
Mytiliní bei Nacht
Mytilíni ist unglaublich quirlig und vereint griechische, römische und auch orientalische Einflüsse. Das Städtchen mit seinen 30.000 Einwohnern wirkt fast wie eine Großstadt, ist Sitz des Ministeriums der Ägais und mehrerer Fakultäten der Ägäischen Universität.


Verpasst nicht die orientalische Basarstraße Ermoú, das alte Kastell, die Museen und das Alltagsleben  dieser Stadt, die sich einfach überhaupt nicht um den Tourismus schert, dabei aber immer freundlich ist.
altes Kastell
Agiós Therapón
Gegessen haben wir auch fantastisch, z. B. im alten Hafen von Mytiliní. M. wusste natürlich welche Tavernen gut sind und um welche wir lieber einen Bogen machen sollten. Ich liebe große Tische mit vielen Vorspeisen ...: Choriátiki, Tsatsíki, Tomatokeftédes, Kalamarákia, Chtapódi, Dolmades, Fáwa etc.


Mytilini als erster Standort bietet sich an, da Lesvos recht groß ist und der Süden von dort aus viel praktischer zu erforschen ist... aber dazu bald mehr :-)

Alle Bilder sind übrigens von A. gemacht worden, da ich völlig talentlos bin :-). Und falls Ihr einen sehr guten Reiseführer für Lesvos sucht, dann empfehle ich Euch den von Thomas Schröder aus dem Michael Müller Verlag.